MOGWAI – Hardcore will never die, but you will

 

 

Some might never sleep, but you will die of boredom

Weil das Pre-Listening zu MOGWAIs neuem Album Hardcore Will Never Die, But You Will zu lang dauert, mache ich es kurz und fange gleich an:

„White Noise“: erweist sich als bodenständige MOGWAI-Songkultur plus noch ein bisschen glatter abgemischt als zuletzt.

„Mexican Grand Prix“: das muss ehrlich zugegeben werden, wurde nicht ganz gehört, da die Rezensentin es nicht länger als zwei Minuten ertragen konnte – den Eindruck schnell verdrängend blieb nur noch vage die Frage in Erinnerung, was schlimmer sei: die Disco-Indiekid-angeklatschen Synthieklänge oder der noch electrokidhaftere Schmalzgesang.

„Rano Pano“ eröffnet dagegen zumindest in Bass und zweiter Gitarre die im Titel programmatisch angekündigte Härte mittels Verzerrer und brutaler Geradlinigkeit. Da die durchaus mit gleichem Drive und ebenbürtiger Stringenz eingespielten Drums recht ausgedünnt und beschnitten klingen, springt aber leider nicht viel über. Warum die gerade für MOGWAI doch so immens wichtige einzigartige Schlagzeug-Abmischung (um sich von der Fülle des oft allzu gleichen Postrock-Sounds anderer Bands herauszuheben und trotz des reduzierten Spiels dennoch eine treibende Kraft befördernd) plötzlich so auf eine Nebenrolle degradiert wurde, bleibt unverständlich.

„Death Rays“ ist im negativen Sinne typisch für das, was MOGWAI seit Jahren ausmacht – Harmonien zwischen gespielter Verzweiflung und pathetischer Melancholie, getragen von: nichts weiter. Ein bisschen Bass, Distortion und Schlagzeug als Begleitung und Effekte als manieristisches Beiwerk. ‚San Pedro‘ erfreut zwar endlich mit einer Melodie, die im Ohr bleibt, aber auch hier verweist die vorgespielte Härte nur scheinbar auf eine tiefer liegende Dynamik, beim zweiten Hören und wenn man die offensichtliche Songstruktur nicht mehr ausblenden kann, klingt auch dies dann eher wieder wie ein auf böse getrimmter Indie-Rock-Song.

„Letters to the Metro“ ist der erste und einzige Song, der nach Maßstab der Rezensentin dem, was man mit Mogwai und Postrock in Verbindung bringen würde, gerecht wird. An diesem Song ist nichts auszusetzen und alles schön – doch auch nicht mehr. Die Schotten bleiben im sicheren Hafen, bedienen sich erfolgreicher Arrangements, Effekte und Strukturen. Logische Konsequenz, dass die Songs insgesamt wesentlich kürzer geworden sind, als man das von MOGWAI gewohnt war. Keine Ausflüge und Risiken wagen und im Gewohnten nicht zu auffällig lange stochern – da fasst man sich lieber kurz und vielleicht ist das tatsächlich der beste Kompromiss.

„George Square Thatcher Death Part“: ich bin ein 20-jähriger Teenie, nachts angetrunken in der Großstadt und mit meinen Apple-Kopfhörern im Ohr auf dem Weg in den Club – und heute bin ich besonders cool, die Welt gehört mir und ich bin der King. Vielleicht ist das die Erklärung: MOGWAI stecken in der Midlife-Crisis.

„How to be a Werewolf“: next Song please.

„Too Raging to Cheers“: kein schlechter Song.

„You’re Lionel Richie“: der beste Song des Albums – das ist sowohl MOGWAIesk im besten Sinne als auch neu und sogar gut – nur auf die dem Postrock-Klischee alibilimäßig verpflichteten O-Ton-Sprachaufnahmen hätte man für die paar Sekunden auch verzichten können.

Das neue Album bestätigt, was zu befürchten war, dass MOGWAI schon lange nichts Neuartiges oder Inspirierendes mehr zu bieten haben und auch keine Rückkehr zur alten Größe zu erwarten ist. Eine Entwicklung, die sich in bedauernswerter Kontinuität von den ersten Platten wie 4 Satin, Ten Rapid, Come On Die Young, Rock Action etc., als noch jede Spur ein Tonjuwel war und man gar nicht wusste, welche Songs hier B-Seiten sein sollten, über die ersten schon ein wenig an den Markt angepassten Longplayer Happy Songs for Happy People und Mr. Beast fortsetzte, wo dann bereits die ersten eher langatmigen und ein wenig versäuselten Stücke aufkamen, hin zum letzten Alben The Hawk is Howling, als das Verhältnis bereits verkehrt war und die Perlen einzeln in der Masse der immergleichen ermüdenden Klang(Retorten)teppiche verborgen lagen. Konsequenterweise also jetzt nur noch ein Song, der das Album wert ist. Dafür aber natürlich wieder die ganze Platte in zwei Varianten – mindestens: die Super-Special-Limited-Deluxe Edition als DVD mit Film kommt bestimmt nächstes Jahr als Aficionado-Leckerbissen dazu. Auch das ist mittlerweile leider „typisch“ MOGWAI.

Das Label schreibt, die „eher untypischen Sounds wie Vocoder-Gesang oder elektronische Sounds“ sollen den „typischen Mogwai-Sound (…) erneut weiterentwickelt“ und „bereichert“ haben. So kann man das auch ausdrücken, ohne gelogen zu haben, nur wohin wollen sich MOGWAI denn eigentlich entwickeln? Sicherlich nicht in die Hall of Fame des Postrock und auch nicht, wohin sie sich ohnehin wohl nur selbst verorten, zu den Unsterblichen des Hardcore. Leider, und das ist Release-technisch das Entscheidende, auch nicht in die Plattenkiste der Rezensentin. Zu hoffen bleibt, dass das Ganze sich live ganz anders anhört.

(Diese Kritik erschien zuerst auf Popmonitor.berlin.)
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MOGWAI live am 29.03.2011 im Postbahnhof.

MOGWAI
Hardcore Will Never Die, But You Will
(Rock Actions Records / Sub Pop / PIAS Germany)
VÖ: 11.02.2010

www.mogwai.co.uk
www.myspace.com/mogwai

www.pias.com

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